Der Allerletzte

Nach dem Tod der letzten Vertreter „der klassischen Moderne im Kino“ vor zwei Wochen (siehe unten) ist gestern mit Franz Antel (FRAU WIRTIN BLÄST AUCH GERNE TROMPETE; MUSIK, MUSIK – DA WACKELT DIE PENNE; DER BOCKERER) völlig unerwartet auch noch der allerletzte Vertreter der klassischen Moderne im Kino gestorben. Franz Antel befand sich als Hausregisseur der Lisa-Film zudem in unmittelbarer Nachbarschaft zu Siggi Götz.

Bergmantonioni

Eines ist doch auffällig angesichts der vielen Nachrufe, Erinnerungen, Huldigungen etc. an die beiden angeblich letzten Vertreter der „klassischen Moderne im Kino“: Daß sich der distanzierte und vermeintlich langweilige Michelangelo Antonioni, dessen Filme immer auch bei Snobs gut angekommen sind, ein ganz kleines bißchen leichter dem feuilletonistischen Spott aussetzen läßt, als der aufrechte Sinnsucher Ingmar Bergman. Aber irgendwo müssen sich doch auch Stimmen finden, die sich ganz kontextfrei über die aufdringliche Symbolik und penetrante Figurenrede in Bergmans Filmwerken mokieren, Stimmen, die sein mäßig entwickeltes Stilbewußtsein hervorheben. Daß man sich als pubertierender Cineast für Ingmar Bergman begeistern kann, ist ja noch nachvollziehbar, womit sich Bergman zum BESTEN REGISSEUR ALLER ZEITEN qualifiziert hat, das bleibt bei genauerer Betrachtung ein Rätsel.

Zitat der Woche

„Das Kino weint. Das Kino stirbt. Doch halt. Trauer ist angebracht, jedoch keine Verzweiflung.“ – Hanns-Georg Rodek, Feuilletonredakteur, in der Welt vom 31. Juli zum fast gleichzeitigen Tod von Ingmar Bergman und Michelangelo Antonioni.

Jocelin & Orgi (6. Teil)

„Sie haben Durst, daß ich nicht daran dachte“, sagte Origi entschuldigend. Er läutete der Schwester. „Hat sie jetzt einen Namen?“ fragte sie.
„Nein, aber bringen sie bitte Tee, nicht zu heiß, und mit Trinkhalm“
(Fortsetzung folgt)

Zitat der Woche

„Kuba hat den Untergang des Ostblocks rüstig weggesteckt; Spaltungsabsichten werden mit Zwangsverpflichtung zum Komparsendienst in übelsten Wim-Wenders-Filmen gekontert.“
Aus: Rückgrat mit BartFidel Castro zum Achtzigsten von Dietmar Dath, in Titanic 8/07

Eilmeldung: SGE-Amphibienprojekt auf Eis gelegt

Um seine ewige Finanznot zu lindern, plante SGE die nächste Ausgabe als Amphibienprojekt, d.h. drei Monate nach dem Erscheinen der aktuellen SGE-Printausgabe sollte der Inhalt in Form eines erweiterten (!) Fortsetzungsromans in Europas größter Filmzeitschrift Cinema zweitverwertet werden. Auf Grund von Meinungsverschiedenheiten, worüber die Vertragspartner Stillschweigen vereinbart haben, wird dieses Projekt vorerst nicht verwirklicht.

TV-Nachlese

Gestern Abend lief im Bayerischen Fernsehen DIE MANUELA-STORY – ALLES UND NOCH VIEL MEHR von Bernd Schadewald, eine NDR-Dokumentation aus dem Jahr 2005 über das SGE-Glamour-Girl Manuela. Gleich am Anfang erfährt man einiges über die (damals) strengen Richtlinien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, mit denen sowohl Manuela, als auch Drafi Deutscher (die beiden sollten zu einem Schlager-Duo wie Gitte und Rex aufgebaut werden) konfrontiert wurden. Die größten Hits der beiden durften anfangs nicht im Bayerischen Rundfunk gesendet werden. Bei Schuld war nur der Bossa Nova hing das damit zusammen, daß in dem Lied beschrieben wurde, wie ein minderjähriges Mädchen nach einer folgenschweren Nacht erst im Morgengrauen den Weg nach Hause gefunden hat. Und Marmor, Stein und Eisen bricht konnte nicht gesendet werden, weil es grammatisch korrekt hätte heißen müssen: Marmor, Stein und Eisen brechen.

Nekrolog

Und hier die Fortsetzung der Liste verstorbener SGE-relevanter Persönlichkeiten: Jean Baudrillard (6. März), Otto Wolff von Amerongen (8. März), Brad Delp (9. März), Rolf Kalmuczak (10 März), Betty Hutton (11. März), Herbert Fux (13. März), Stuart Rosenberg (15 März), Freddie Francis (17. März), Günter Mack (27. März), Hans Filbinger (1. April), George Sewell (2. April), Bob Clark (4. April), Werner Maser (5. April), Luigi Comencini (6. April), Barry Nelson (7. April), Johnny Hart (7. April), Sol LeWitt (8.April), Kurt Vonnegut (11. April), Roscoe Lee Browne (11. April), Matthias Hinze (13. April), Peter Beil (13. April), Laurens Straub (19. April), Jean-Pierre Cassel (19. April), Karl Holzamer (22. April), Boris Jelzin (23. April), Jack Valenti (26. April), Gordon Scott (30. April), Curt Linda (30. April), Gusti Wolf (5. Mai), Curtis Harrington (6. Mai), Jerry Falwell (15. Mai), Bruno Mattei (22. Mai), Anneliese Fleyenschmidt (23 Mai), Charles Nelson Reilly (25. Mai), Jörg Immendorff (28. Mai), Jean-Claude Brialy (30. Mai), Ousmane Sembène (9. Juni), Rudolf Arnheim (9. Juni), Kurt Waldheim (14 Juni), Klausjürgen Wussow (19. Juni), Georg Danzer (21. Juni), Willy Holt (22. Juni), Edward Yang (29. Juni), Jörg Kalt (1. Juli)… wird fortgesetzt.

Vorbei: Das 25. Münchner Filmfest

Zum Jubiläum hatte sich das Festivalteam was „sehr Schönes ausgedacht“: „Wir feiern es (das Jubiläum), indem wir dieses Jahr die besten neuen Filme aus der ganzen Welt zusammentragen und nach München holen“ (Leiter Andreas Ströhl in seinem Editorial für das Filmfest-Programmmagazin). Erwähnenswert ist außerdem noch ein unfaßbar berückender Trailer des neugegründeten Freundeskreis Filmfest München, in dem sich namhafte Vertreter der Filmbranche zusammengeschlossen haben um das „Filmfest stärker in der Bürgerschaft Münchens zu verankern“. Leider ist der Internetauftritt erst noch im Entstehen.