Das (helle) Zitat der Woche
„Kino, wie Tremper es vormachte, das war ein Kraftmittel, ein Medium der Athleten (hätte es Majakowski gefallen?), es besaß Vitalität, Temperament, Beobachtungsgabe, Witz in der Formulierung von Dialogen und in der Herstellung von Tempo und Kontrasten, Begabung im Aufspüren von möglichen und zukünftigen Kinoidolen.“ (Ulrich Gregor) Ab heute zu haben beim Label Darling Berlin („steht für frische und ungewöhnliche Independent-Filme aus der Hauptstadt“): Will Trempers Regie-Debüt FLUCHT NACH BERLIN. Mit spannendem Zusatzmaterial (Christian Doermer und Peter Thomas erzählen), einem Reprint der Illustrierten Filmbühne u.v.a.m. Kurzum, die SGE-Kaufempfehlung.
Wie soll es jetzt nur weitergehen?
Keine unglaubliche Langhaarfrisur, kein Sonnenstudioteint, keine Siggi-Götz-Anmutung mehr auf der Betreuerbank: Der FC Bayern München muß sich einen neuen Mannschaftsarzt suchen. SGE-Glamour-Boy Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hat mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt, da seine medizinische Abteilung „aus unerklärlichen Gründen für die Niederlage in Porto hauptverantwortlich gemacht worden ist.“
Das (dunkle) Zitat der Woche
In Ihren Poetik-Vorlesungen fangen Sie gleich mit Günter Grass und der Gruppe 47 an, die da nicht so gut wegkommt, so als moralisierend und zeigefingerhaft. Sie zeigen den amerikanischen Freunden, die auch so empfinden, Filme von Peter Alexander und auf einmal finden alle Günter Grass doch ganz gut. Braucht man tatsächlich Peter Alexander, um Günter Grass dankbar zu sein? […] Wenn man sich mit der deutschen Geschichte der Nachkriegszeit beschäftigt, dann hilft es sehr, sich ein bißchen mit dem deutschen Unterhaltungsfilm der 50er Jahre zu beschäftigen, weil er zum Abscheulichsten gehört, was es auf der Welt überhaupt gibt. Weil er nicht nur schlecht ist, sondern in einer Weise den Wahnsinn eines in Verdrängung und Nicht-wissen-wollen der eigenen unmittelbaren Vergangenheit erstarrten Landes widerspiegelt. Und dann ist es gut sich zu erinnern, daß Deutschland nicht mehr so ist, nicht mehr erstarrt in Vergessen und Verdrängung.
– Filmkenner Daniel Kehlmann im Gespräch mit Jörg Magenau (Deutschlandradio Kultur)
Günter Grass †
Glamour-Hit der Woche
SGE-Glamour-Boy Amadeus August spielte in Zbynek Brynychs surrealem Teenager-Melo OH HAPPY DAY (1970) einen hölzernen Märchenprinzen, der nach langem Zögern auch körperlich zu seiner Liebe Anne-Marie Kuster findet. Im selben Jahr war er aber auch ein ganz harter Typ neben Raimund Harmstorf in Rolf Olsens BLUTIGER FREITAG. Mit seiner etwas ungelenken, adeligen Noblesse paßte August dann in den 80ern gut in die seltsam leblosen Vorstadtvillen von DERRICK und DER ALTE. 1992 ist August an AIDS gestorben. Mit seiner überraschend dunklen Stimme singt August den SGE-Glamour-Hit Ich schenk dir meine Zärtlichkeit (1972), eine Ballade über die totale Liebe. – SE
TV-Tip der Woche
Er gilt als einer der wichtigesten Schweizer Filmemacher, in seinen Filmen „lauern Melchancholie und Eros hinter der offensichtlichen Sozialkritik“ (Hans Schifferle) und er hatte mit Clemens Klopfenstein einen dankbaren Schüler, wodurch sich der „Generationenkonflikt zwischen dem Alten und Neuen Schweizer Film“ alsbald erübrigt hat. Diese Woche zeigt 3SAT immer nachmittags sieben Filme von Kurt Früh. Leider nicht dabei: DÄLLEBACH KARLI, „das kompromißlose Spätwerk über ein melancholisches Berner ‚Original‘ und einen Witzereißer“ sowie sein letzter Film DER FALL, dem wir uns in SGE #19 angenommen haben.
Endlich Ostern
70/33
„Solange die Leute auf Partys grölen wollen, solange werde ich da sein.“ (vgl. Münchner Merkur) Jürgen Drews, Sohn des Wehrmachtsarztes Dr. Werner Drews und SGE-Glamour-Boy der ersten Stunde, der, so scheint es, sich immer noch „in einem endlosen Trip aus Möbelzentrum, Mallorca, Sangria und Titten“ befindet (vgl. SGE #6) und es schafft, das Alter seines Publikums konstant unter 30 Jahren zu halten, feiert heute seinen 70sten Geburtstag. Und nicht vergessen: Eine gute Figur hat er auch bei den Les Humphries gemacht.
SGE-Aboservice spezial
Nicht zu glauben, aber wahr (und kein Aprilscherz): Mittlerweile stellen wir schon die ersten drei SigiGötz-Enterainment-Ausgaben (1,2,3) als pdf-Dateien dem SGE-Leser zur Verfügung. Alle drei Ausgaben bieten sensationelles Anschauungsmaterial aus den SGE-Flegeljahren, erfüllen aber trotzdem höchste Qualitätsansprüche. Werden Sie SGE-Abonnent und wir sind für Sie da!


