Ökonomie, Erotik und Politik

Morgen beginnt das Münchner Oktoberfest. Als Kontrast (oder Komplementärprogramm, je nachdem) empfehlen wir den Besuch der Ausstellung Ödön von Horwath und das Theater im Deutschen Theatermuseum (geht noch bis 17.11.19). „Die Ausstellung verläuft entlang von drei zentralen Stücken, denen jeweils ein Bereich und damit zusammengehend ein übergreifendes Thema gewidmet ist: Ökonomie, Erotik und Politik.“ Gewissermaßen als Fußnote erfährt man, daß Horvath „sich gezwungen sah, sich im reichsdeutschen Filmbetrieb als Drehbuchschreiber zu verdingen.“ Dazu mehr im nächsten SGE.

Michael Schreiner †

Der Bayerische Rundfunk meldet den Tod von Michael Schreiner, der zuletzt als Knecht Xaver oder Seher von Lansing bei DAHOAM IS DAHOAM mitgespielt hat. Schreiner begann seine Karriere in den späten 60er Jahren bei Michael Verhoeven und Ernst Hofbauer, verschwand in den 70er Jahren lange von der Leinwand, kehrte in den 80ern in die Film- und TV-Welt zurück, spielte den Assistenten von TATORT-Hauptkommissarin Lena Odenthal u.v.a.m. Michael Schreiner, ein Mega-Kandidat für die SGE-Serie mit Character Actors.

Rudi Gutendorf †

Im Alter von 93 Jahren stirbt der continental drifter, Träger von zwei Bundesverdienstkreuzen (SPON) und SGE-Glamour-Boy Rudi Gutendorf (vgl. SGE # 6). Hier noch einmal alle Länder, für die er als Nationaltrainer oder Ausbilder gearbeitet hat: Bermuda, Chile, Bolivien, Venezuela, Trinidad und Tobago, Grenada, Antigua, Botswana, Nepal, Tonga, Tansania, São Tomé und Príncipe, Ghana, Fidschi, China, Simbabwe, Mauritius, Ruanda, Samoa.

PS: Den Wahnsinn erlebte er aber an der Seite von Herzog/Kinski im peruanischen Dschungel.

Ghostlecture

Das Münchner Gabriel, eines der ältersten Kinos der Welt, seit ein paar Monaten ein Geisterkino, lädt zur letzten Führung. Wir zitieren aus der Pressemitteilung: „Am Mittwoch den 18. September können alle Münchner Filmbegeisterte ab 15 Uhr das Gabriel Filmtheater ein letztes Mal besichtigen. Die ehemaligen Betreiber Alexandra Gmell und ihr Vater Walter Büche sowie die Schauspielerin Selma Schwesig erzählen Geschichten aus dem traditionsreichen Haus und man kann alle Räumlichkeiten – einschließlich der Katakomben –, alte Filmrollen und -Plakate bestaunen.“

 

Ein ideales Gefäß

Allen Wienern und Wienreisenden empfehlen wir einen cineastischen Trip durch jene Zeitsphäre, als der „revolutionäre Aufbruch der filmischen Moderne der 60er Jahre nahtlos in das kommerzielle Unterhaltungskino übergeführt wurde“. Das Österreichische Filmmuseum startet die neue Saison mit dem „ersten Versuch weltweit, das Phänomen Giallo im großen Maßstab – mit über 40 ausgewählten Filmen… zu erforschen.“ Alles weitere erklärt Filmmuseums-Kurator und SGE-Autor Christoph Huber. Zur Erinnerung/Ergänzung: Über den legendären Giallo-Kongreß 2015 in Rom berichtete Ulrich Mannes in SGE # 27 und für Artechock

80/34-35

Und dann müssen wir unbedingt noch zwei Geburtstage nachfeiern. Letzten Sonntag, am 25. August, beging der Staatsschauspieler, mehrfache Hörbuchpreisträger und SGE-Glamour-Boy Peter Fricke, den wir in SGE # 14 mit einem Glamour Boy spezial ehrten, seinen 80sten Geburtstag (hier eine der besten Folgen von DER ALTE mit PF). Ebenfalls 80 Jahre wurde am Sonntag SGE-Glamour-Girl Dagmar K0ller, die in den 6oern und frühen 70ern „jung war, modern, frech, und sexy, österreichisches Vaudeville verkörpernd“ (vgl. SGE # 5).

„Wenn ich mich sicher fühle, ist es leicht, die Hosen runterzulassen.“

Leider verpaßt haben die rasenden SGE-Reporter das 7. Filmfestival von Kitzbühel („ist vor allem eines: jung, kreativ und vielseitig“), auf dem letztes Wochenende Otto Schenks Kino-Adaption von Arthur Schnitzlers REIGEN (Regieassistent: Sig(g)i Götz-Rothemund) zu sehen war. Anlaß war der Ehrenpreis des Festivals für Helmut Berger. Die Tiroler Tageszeitung lud zum Gespräch. „Für Schenk war Berger ein Geschenk: ‚Wir waren süchtig nach Natürlichkeit, vielleicht, weil wir von unserem Umfeld damals mit vielem gefüttert wurden, aber nicht mit Natürlichkeit.‘ Dieses Direkte, Ungekünstelte habe er filmen wollen, sagt Schenk. Bei Berger habe er danach gar nicht suchen müssen: ‚Jede Bewegung, jeder Satz, alles war ganz selbstverständlich: Wenn die Kamera lief, waren Helmut und seine Figur identisch.‘ Oder, in Helmut Bergers Worten: ‚Es ist ganz einfach: Wenn ich mich sicher fühle, ist es leicht, die Hosen runterzulassen.‘ Genau diese Sicherheit habe er während seiner Laufbahn immer wieder vermisst.“ PS: Heino und Hannelore wurden lt. Bild auch gesichtet.