90/3 (Glamour-Hit der Woche)

Dunkle Augen, pechschwarzes Haar, ein verheißungsvoller und spöttischer Zug um den Mund, auf vielen Fotos mit einer qualmenden Kippe zwischen den Lippen – Hanne Wieder, die heute ihren 90sten Geburtstag gefeiert hätte, war ein SGE-Glamour-Girl der ersten Stunde. Als frivole Nonne in Zbynek Brynychs OH HAPPY DAY (1970) ist sie einmalig. Berühmt wurde die Wieder durch ihre Stimme, die sie nicht nur den Chansons von Weill/Brecht und Hollaender lieh, sondern auch der besessenen Megan in DER EXORZIST (1973). In Kurt Hoffmanns SCHNEEWITTCHEN UND DIE SIEBEN GAUKLER (1962) hat sie den tollen Namen Ines Del Mar, die den geradezu jungfräulich auftretenden Walter Giller mit dem Glamour-Hit Enthüllungen einer Stripteasetänzerin verführt. – SE

SGE-Vormerkaktion

Während die Redaktion gerade eifrig das 26ste SigiGötz-Entertainment finalisiert, kündigt sich für den geplanten Erscheinungstag, für Freitag den 15. Mai eine einmalige Sondervorstellung an: Wir zeigen im Werkstattkino/München: EINS von Ulrich Schamoni. Mit Vorprogramm, Ehrengästen und anschließender SGE-Releaseparty.

Vorankündigung

Das Arsenal Kino im Berliner Filmmuseum zeigt diesen Monat in seiner Magical History Tour: „Kino im Plural — Filme, die das kollektive Arbeiten sichtbar und zu ihrem Thema machen.“ Zweimal, nämlich am 2. und am 6. Mai, läuft auch Rainer Knepperges und Christian Mraseks DIE QUEREINSTEIGERINNEN. Und morgen kündigen wir an dieser Stelle eine große SGE-Veranstaltung an.

Veranstaltung der Woche

Er war Krimi- und Drehbuch-Autor, Jazz-Librettist, Erfinder des TV-Formats Beat-Club und er war Programmdirektor des Freien Fernsehens, mit dem Konrad Adenauer Ende der 50er Jahre die deutsche Fernsehlandschaft umkrempeln wollte. Heute werden in der Deutschen Kinemathek zwei Bücher über Ernest Bornemann vorgestellt, „begleitet von Jazz, Film- und Fernsehbildern“. Einmal ein Wegweiser durch sein labyrinthisches Film- und Fernsehwerk: Ernest Borneman. Film. Fernsehen. Fremde. von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen, und dann noch eine Biographie des Zeithistorikers Detlef Siegfried mit dem Titel Moderne Lüste.

Kabinettausstellung der Woche

Schlechte SGE-VersteckeBei „Kabinettausstellung“ denkt der versierte SGE-Leser natürlich gleich an die Pasinger Fabrik, wo vor eineinhalb Jahren mit einer solchen Alois Brummer geehrt wurde. Nun legt das Münchner Stadtmuseum nach und nimmt den bevorstehenden 100sten Geburtstag von Franz Josef Strauß zum Anlaß, sich dem streitbaren Politiker ebenfalls mit einer Kabinettausstellung zu widmen, „die seine Darstellung in unterschiedlichen Bildmedien beleuchtet“.

Das (helle) Zitat der Woche

„Kino, wie Tremper es vormachte, das war ein Kraftmittel, ein Medium der Athleten (hätte es Majakowski gefallen?), es besaß Vitalität, Temperament, Beobachtungsgabe, Witz in der Formulierung von Dialogen und in der Herstellung von Tempo und Kontrasten, Begabung im Aufspüren von möglichen und zukünftigen Kinoidolen.“ (Ulrich Gregor) Ab heute zu haben beim Label Darling Berlin („steht für frische und ungewöhnliche Independent-Filme aus der Hauptstadt“): Will Trempers Regie-Debüt FLUCHT NACH BERLIN. Mit spannendem Zusatzmaterial (Christian Doermer und Peter Thomas erzählen), einem Reprint der Illustrierten Filmbühne u.v.a.m. Kurzum, die SGE-Kaufempfehlung.