Die Magie von Hand, Schrift und Papier

„Der Zauber und die Macht, ja Gewalt, die in der künstlerischen Darstellung vom Lesen und Schreiben anschaulich werden, bilden ein sehr spezielles Genre.“ Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum zeigt zu diesem speziellen Genre nun Bilder aus der hauseigenen graphischen Sammlung. Die Kabinettausstellung Bann und Befreiung – Über Lesen und Schreiben wurde vom Schauspieler, Schriftsteller, Fotografen, Dramaturgen, Essayisten und SGE-Favoriten Hanns Zischler kuratiert, und wir können sie allen Lesern, die sich noch bis Januar 2023 im Raum Köln aufhalten, empfehlen.

Ralf Wolter †

Er war sich für gar nichts zu schade. Klar, daß man ihn auch in etlichen Lisa-Filmen sehen konnte. In PIRATENSENDER POWERPLAY (Siggi Götz) spielte er den Programmdirektor und in GRAF DRACULA (BEISST JETZT) IN OBERBAYERN (Carl Schenkel) war er als Draculas Erfüllungsgehilfe Boris dabei. Nun ist Ralf Wolter, der sich früher oder später auch bei unseren SGE-Character-Actors  wiederfinden wird, im Alter von 95 Jahren gestorben.

Dreigenerationenprojekt

Ein im wahrsten Sinne des Wortes vielschichtiges Buch wollen wir unseren Lesern nahelegen: Blaues Blut – Remix, ein „Dreigenerationenprojekt“ des Regisseurs und Produzenten Veith von Fürstenberg (dessen Debüt EIN BISSCHEN LIEBE wir vor kurzem im Theatiner wiederentdeckt haben), in dem der Autor die Aufzeichnungen seines Vaters und seines Großvaters verarbeitet. Vater Leo war ein Abenteurer, der in den dreißiger Jahren in New York gelebt hat, mit dem Schoner So Fong durch Ostasien gereist ist und nach dem Krieg im diplomatischen Dienst als Botschafter der Bundesrepublik auf den Philippinen tätig war. Großvater Friedrich war als oberschlesischer Gutsbesitzer ein passionierter Jäger, der sein Anwesen in Kopanina krisenfest durch die Zeiten brachte und 1944 als glühender Verehrer Hitlers starb. Veith von Fürstenberg stellt diese konträren Lebensläufe kapitelweise gegenüber, fungiert selbst als „Moderator, Rechercheur und gelegentlicher Kommentator“ und ergänzt die Kapitel noch assoziativ mit eigenen Erinnerungen und lässig gezeichneten Vignetten. Blaues Blut – eine autobiographische Collage, erschienen bei Zweitausendeins, unser Buchtip des Monats.

Modellbau von Freiheit

Wie alle Jahre empfehlen wir allen unseren Lesern, die sich im Raum München aufhalten, das heute beginnende Underdox-Festival. Artist in Focus ist diesmal der Künstler Harald Vogl, der am Samstag und am Sonntag im Filmmuseum seinen New-York-Zyklus vorstellt. Zum Höhepunkt erklären wir die Kurzfilmrolle am Dienstag im Werkstattkino. Da geben sich ganz viele SGE-Mitarbeiter ein Stelldichein.

SGE-Glamour-Girls heute

SGE-Glamour-Girl Ursula Andress ist verärgert. „Ich habe nie eine Anerkennung bekommen. Kein Danke, keinen Cent extra, nicht mal einen Strauß Blumen“, sagt das erste Bondgirl zum 60jährigen Jubiläum des ersten James-Bond-Films 007 JAGT DR. NO. Ein anderes SGE-Glamour-Girl feiert hingegen seine Wiederentdeckung: DROP OUT – NIPPELSUSE SCHLÄGT ZURÜCK von und mit Beatrice Manowski (Co-Regie: Wolfgang Büld) kommt jetzt nochmal und restauriert in die Kinos. Ein Film, „der in seiner Großspurigkeit im deutschen Kino Seltenheitswert hat“, sagt der Kritiker von critic.de.

Neues aus Ostdeutschland

Melanie Müller, Ballermannstar, Dschungelkönigin in der bis heute besten Folge von IBESHMHR und mit ihrem Buch Mach’s Dir selbst, sonst macht’s Dir keiner in der SGE-Glamour-Bibliothek vertreten (vgl. SGE # 29), gerät nach einem Konzertauftritt „bei der mutmaßlich rechten Gruppe Rowdys Eastside“ (Stern) in Erklärungsnot. Findet sie aus diesem Schlamassel je wieder raus? Wir beobachten weiter.

Ulrich von Thüna †

Wie wir mit Verspätung erfahren haben, ist am 10. Juli dieses Jahres der Filmjournalist Ulrich von Thüna gestorben, der ein einziges Mal auch als Darsteller in einem Film mitwirkte, in Straubs & Huillets NICHT VERSÖHNT, wo er den Emigranten Schrella spielte. Für eine Ausgabe der Kinozeitschrift 24, die sich schwerpunktmäßig mit Straub/Huillet (und Peter Nestler) auseinandersetzte, schrieb er einen Essay über seinen Abstecher in die Filmbranche:

„Jedenfalls fragte mich Straub, ob ich Lust hätte, in einer Verfilmung von Bölls Billard um halb zehn mitzumachen. Ich war damals 28 Jahre alt und sagte natürlich ja. Gleichzeitig machte ich deutlich, daß ich noch nie irgendwo etwas gespielt hätte und sicher kein guter Darsteller sei. […] Ich bekam einige Monate später den Vertrag zugesandt. In ihm wurde ich für die Rolle des Rückkehrers Schrella für die fürstliche Summe von DM 175,- verpflichtet. […] Straub selbst gab keine detaillierten Anweisungen, jeder sollte so reden, wie ihm der Schnabel gewachsen war. In einem Papier von ihm, das wohl während der Fertigstellung entstand, schrieb er unter der Überschrift ‚All about NICHT VERSÖHNT‘: Keine sogenannte ‚Verfilmung‘ des Romans. Und von den Darstellern wurde nicht verlangt, daß sie ihren Text irgendwie ’spielen‘, sondern daß sie ihn nach einer ganz bestimmten Partitur rezitieren…“

Den ganzen Text finden Sie in 24–Kinozeitschrift (Nr. 14, Herbst 1997). Bei uns noch erhältlich.

Dicke Luft auf Mallorca

Kaum halten wir nicht mehr inne, müssen wir wieder einen Skandal aufspießen: Til Schweiger (58), der „seit den frühen 90er-Jahren nicht mehr aus der Film- und Fernsehgeschichte wegzudenken ist“ (Bunte), hat sein neues Barefoot Hotel auf Mallorca an einem Diesel-Generator angeschlossen. Was das nach sich zieht, lesen Sie am besten selbst.